15. NOV. 2012 KIWI-KONGRESS

„WERT.VOLLE.KINDER.-WERT.VOLLE.ZUKUNFT.“ in der Messe Wien

Wien, 16. November 2012
Pressemitteilung
KIWI Werte-Kongress: Welche Werte brauchen unsere Kinder?
Was macht eine glückliche Kindheit aus? Und was muss ein Kind lernen, damit es für seine Zukunft gut vorbereitet ist? Fragen wie diese standen beim ersten KIWI-Kongress, der gestern unter dem Motto „WERT.VOLLE.KINDER. – WERT.VOLLE.ZUKUNFT“ in der Messe Wien stattfand, im Mittelpunkt.
„Mit diesem Kongress wollen wir eine weitergehende Werte-Diskussion in Gang setzen“, sagte Monika Riha, Geschäftsführerin des Vereins „Kinder in Wien“ vor rund 1.100 TeilnehmerInnen: „Angesichts des Verbrauchs unserer natürlichen Ressourcen und finanziellen Mittel müssen wir uns die Frage stellen, wie viel uns unsere Kinder wirklich wert sind. Wir sollten uns überlegen, wie wir agieren müssten, wenn uns unsere Kinder wertvoll wären.“
Hochkarätige ReferentInnen wie der Genetiker Markus Hengstschläger, der Bildungsexperte Andreas Salcher, die Bildungspsychologin Christiane Spiel und der Sozialwissenschaftler Clemens Sedmak suchten nach Antworten auf die Frage, welche Werte künftig im Zentrum des Umgangs mit Kindern stehen sollen. In seiner Eröffnungsrede betonte Familienminister Reinhold Mitterlehner die Aktualität der Wertediskussion. Der Gesellschaft müsse Bildung - ob in der Schule oder im Kindergarten - auch Geld wert sein.
Für Hengstschläger ist Individualität ein Schlüsselwert: „In Österreich ist es leider immer noch besser, sich mit der Mehrheit zur irren, als alleine recht zu haben“, kritisierte er. Relativität statt Individualität bestimme das Denken vieler Menschen: „Wenn Vater und Mutter jeweils die Hälfte ihrer Gene an ihr Kind vererben, dann ist dieses anders als die Mutter und auch anders als der Vater. Und daraus ergibt sich, dass jeder Mensch verschieden, aber niemand anders ist.“
Hengstschläger erläuterte die genetischen Aspekte anhand von Talenten in Sport, Musik, Wissenschaft und Politik. Wichtig sei, bisher bildungsfernen Schichten einen besseren Zugang zur Bildung zu ermöglichen. Die Gesellschaft könne es sich nicht leisten, auf die vielen sonst unentdeckt bleibenden Talente zu verzichten. „Gene sind nur Bleistift und Papier, aber die Geschichte schreiben wir selbst. Wir brauchen Peaks und Freaks!“, so Hengstschlägers Motto.
Andreas Salcher rief zu mehr Mut zur Veränderung auf: „Nicht nur Krankheiten breiten sich mit Hilfe von Viren aus, auch soziale Veränderungen verlaufen nach ähnlichem Muster.“ Wichtig sei, selbst den ersten Schritt zu wagen: „Am besten, man schließt man sich mit ein oder zwei Gleichgesinnten zusammen und versucht gemeinsam, Schritt für Schritt einen Wendepunkt, einen sogenannten „Tipping-Point“, in der Gesellschaft zu erreichen.“ Erfolgreiche Beispiele seien Umweltinitiativen oder das auf öffentlichen Druck zustande gekommene Rauchverbot. Besonderer Bedeutung habe die Kindergartenpädagogik: „Würde man einen Euro zusätzlich in Bildung investieren, wäre der Nutzen in der Kindergartenpädagogik am größten.“
Der Zukunftsforscher Peter Zellmann schlug in der Diskussion in die gleiche Kerbe: „Während Hochschulprofessoren höchstes Ansehen und gute Bezahlung genießen, obwohl sie pädagogisch nichts mehr verhauen können, sind Ansehen und Bezahlung von Kindergartenpädagogen, die in einer sehr sensiblen Phase mit Kindern arbeiten, wesentlich geringer.“
Zellmann rief dazu auf, althergebrachte Denkgewohnheiten abzulegen, um neue Werte entstehen zu lassen: „Kinder brauchen einen geeigneten Moderator, um ihre eigenen Werte finden zu können. Man muss ihnen den Freiraum und die Zeit geben, damit sie eigne Werte entwickeln können. Wir erleben derzeit einen Wertewandel: Das Weibliche, Ökologische, Emotionale, Ganzheitliche – das sind neue Themen.“
Auch Bildungspsychologin Spiel wies auf die Bedeutung der Motivation in der Bildung hin und betonte: „Studien zeigen, dass es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen höherer Bildung, guten Jobs, besserer Gesundheit und einem längeren Leben gibt.“
„Die Kinderwelt ist keine Liliput-Welt“, sagte der Sozialwissenschaftler Sedmak. Die Basis für die Werthaltungen der Erwachsenen wird bereits in der Kindheit gelegt. Große Bedeutung habe dabei etwa Kooperationsfähigkeit, da die anstehenden gesellschaftlichen Probleme mit auf Eigeninteressen basierender Zweckrationalität nicht zu lösen seien.
Gegen Ende der Veranstaltung präsentierten alle KIWI-Kindergärten und -Horte ihre Projektarbeiten zum Thema Werte. Ein Beispiel dafür sehen sie unter diesem Link: tag.respekt.net/aktionen/kinder-der-welt-vereint-im-kindergarten/
Unter den etwa 1.100 TeilnehmerInnen wurde eine Werte-Umfrage durchgeführt, auf deren Auswertung mit Spannung gewartet werden darf.
Kinder in Wien (KIWI) ist eine innovative Organisation, die an derzeit 61 Standorten in Wien Kindergärten und Horte betreibt. Entstanden ist KIWI 1948, als mit viel Idealismus und beherztem Einsatz das „Wiener Kinderrettungswerk“ gegründet wurde, um die Not von Kindern während der Nachkriegszeit zu lindern. Das Herzstück von KIWI war und ist die Qualitätsentwicklung und -sicherung sowie die kontinuierliche Weiterentwicklung in der Pädagogik. Wir definieren Qualität durch überprüfbare Standards und gehen ideenreich neue Wege. KIWI hat derzeit etwa 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in 232 Kindergarten- und Hortgruppen knapp 5.000 Kinder im Alter von einem Jahr bis zehn Jahren bilden und begleiten.
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Fotocredit: KIWI
Rückfragen: KIWI – Kinder in Wien, Mag.a Susanne Kritzer, Tel.: 01 – 526 70 07 DW 41, E-Mail: s.kritzer@kinderinwien.at

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